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Winterreifen in Deutschland – Pflicht, Kosten und Sicherheitstipps

· Stefan Teufel
Winterreifen in Deutschland – Pflicht, Kosten und Sicherheitstipps

Wer den ersten Schnee des Jahres auf den Straßen Oberfrankens erlebt, denkt spätestens dann daran: Hab ich eigentlich schon auf Winterreifen gewechselt? Für viele Fahrer ist das ein jährliches Ritual – für andere eine lästige Pflicht, die gerne auf die lange Bank geschoben wird. Dabei geht es nicht nur ums Gesetz, sondern ums nackte Überleben auf glatten Fahrbahnen.

Was sagt das Gesetz zur Winterreifenpflicht?

Deutschland kennt keine kalendarisch festgelegte Winterreifenpflicht wie manche Nachbarländer. Stattdessen gilt die sogenannte situative Reifenpflicht: Sobald Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte herrschen, müssen Fahrzeuge mit Reifen ausgerüstet sein, die für solche Bedingungen geeignet sind.

Das klingt zunächst vage, hat aber praktische Konsequenzen. Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen unterwegs ist und dabei einen Unfall verursacht oder den Verkehr behindert, muss mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Außerdem kann die Versicherung die Haftungsquote kürzen – im schlimmsten Fall erheblich.

Die gesetzliche Grundlage findet sich in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), konkret in § 36 StVZO. Dort ist geregelt, welche Anforderungen Reifen generell erfüllen müssen.

Was gilt als wintertauglich?

Seit 2018 müssen Winterreifen in Deutschland das Alpine-Symbol tragen – das bekannte Bergpiktogramm mit der Schneeflocke (auch M+S-Symbol allein genügt seither nicht mehr, zumindest nicht für Neuzulassungen und seit 2024 für alle Fahrzeuge). Reifen mit ausschließlich dem M+S-Aufdruck ohne Alpine-Symbol erfüllen die gesetzlichen Anforderungen nicht mehr vollständig.

Ganzjahresreifen können eine Alternative sein, sind aber in der Regel spezialisierten Winterreifen auf echtem Schnee und Eis unterlegen.

Die Faustregel: O bis O

In der Fahrschulpraxis spricht man oft von der „O-bis-O-Regel": von Oktober bis Ostern auf Winterreifen fahren. Das ist keine gesetzliche Vorgabe, aber eine praktische Orientierung – besonders in Regionen wie Oberfranken, wo früher Schneefall und lange Fröste keine Seltenheit sind. Wer in Burgkunstadt oder rund um Kulmbach unterwegs ist, kennt das: Selbst im April kann es auf den Höhenlagen noch glatt werden.

Im Frühjahr sollte man mit dem Wechsel nicht zu früh sein. Winterreifen verschleißen bei warmen Temperaturen schneller als Sommerreifen, und ihr Bremsverhalten bei trockenem Asphalt ist schlechter.

Was kosten Winterreifen?

Die Kosten hängen stark von der Fahrzeuggröße und dem gewählten Hersteller ab. Eine grobe Orientierung:

  • Günstige Markenreifen (z. B. Continental, Hankook): ca. 60–100 Euro pro Reifen für Standardgrößen
  • Premiumreifen (z. B. Michelin, Bridgestone): 100–160 Euro pro Reifen
  • Felgen + Reifen als Komplettsatz: oft günstiger auf lange Sicht, da der Wechsel dann einfacher ist

Dazu kommen die Montagekosten beim Reifenhändler oder in der Werkstatt – je nach Region zwischen 10 und 25 Euro pro Reifen. Mit eigenem Satz auf Felgen kann man das teilweise selbst erledigen, wenn man die Möglichkeit hat.

Auf den ersten Blick erscheinen Winterreifen teuer. Rechnet man aber durch, dass die Sommerreifen im Winter pausieren, hält jeder Reifensatz länger. Die Investition amortisiert sich.

Lohnt sich ein zweiter Felgensatz?

Ja, in den meisten Fällen. Wer seine Winterreifen auf eigenen Felgen hat, spart jedes Jahr die Montagekosten für das Auf- und Abziehen. Außerdem schont es die Reifen. Der Aufpreis für einen Stahlfelgensatz ist überschaubar und rechnet sich nach wenigen Wintern.

Sicherheitstipps für Schnee und Eis

Gute Winterreifen sind die Basis – aber kein Freifahrtschein für riskantes Fahren. Wer zum ersten Mal auf verschneiter Fahrbahn unterwegs ist oder nach einem langen Sommer die Routine verloren hat, sollte ein paar Grundregeln kennen:

Langsam und vorausschauend fahren

Bei Schnee und Eis verlängert sich der Bremsweg drastisch. Auf eisglatter Straße kann er sich gegenüber trockenem Asphalt vervielfachen. Das bedeutet: größere Abstände halten, früher bremsen und auf unnötige Überholmanöver verzichten.

Sanft Gas geben und bremsen

Ruckartige Bewegungen – ob beim Beschleunigen, Bremsen oder Lenken – sind der häufigste Grund für Kontrollverlust auf winterlichen Straßen. Alles fließend und weich machen.

ABS richtig nutzen

Viele Fahrer kennen das Blockiergefühl beim Bremsen und lassen dann instinktiv los. Mit ABS ist das falsch: Pedal durchtreten und halten, das System reguliert den Rest.

Bergauf und bergab besonders vorsichtig

Anstiege auf verschneiten Straßen erfordern Schwung – wer stoppt, kommt oft nicht mehr an. Gefälle dagegen zwingen zum frühzeitigen Verlangsamen, bevor es kritisch wird. Bergab in einem niedrigen Gang fahren und den Motor mitbremsen lassen.

Scheiben vollständig freikratzen

Vor jeder Fahrt müssen alle Scheiben frei sein – auch die Seitenscheiben und das Heckfenster. Nur eine Sichtlücke durchzukratzen ist nicht nur gefährlich, sondern auch eine Ordnungswidrigkeit. Das Fahrzeugdach ebenfalls von Schnee befreien: Herabfliegender Schnee kann nachfolgende Fahrzeuge gefährden.

Reifenzustand regelmäßig prüfen

Winterreifen haben ihre optimale Wirkung bis zu einer Profiltiefe von mindestens 4 mm – obwohl das gesetzliche Minimum bei 1,6 mm liegt. Darunter nimmt die Traktion auf Schnee deutlich ab. Wer Reifen kauft und nach einigen Wintern beim Händler steht, sollte die Profiltiefe prüfen lassen, bevor er blindlings auf alte Reifen vertraut.

Auch das Alter zählt: Reifen, die älter als 6–8 Jahre sind, sollten ersetzt werden – auch wenn das Profil noch gut aussieht. Das Gummi verhärtet mit der Zeit und verliert seine Griffigkeit. Das Herstellungsdatum steht als vierstellige DOT-Zahl auf der Reifenflanke.

Der ADAC bietet ausführliche Winterreifentests mit Vergleichen verschiedener Hersteller und Größen an – eine gute Orientierung vor dem nächsten Kauf.

Gut vorbereitet durch den Oberfränkischen Winter

Für Fahrschülerinnen und Fahrschüler in der Region ist das Thema Winterreifen Teil der praktischen Fahrausbildung. Wer die Grundregeln des Fahrens auf Schnee und Eis früh verinnerlicht, ist nicht nur sicherer unterwegs – sondern auch besser auf die Realität des deutschen Straßenverkehrs vorbereitet.

Ein Satz guter Winterreifen ist keine Luxusinvestition. Er ist die Grundvoraussetzung für sichere Mobilität in der kalten Jahreszeit.